Wasserverbrauch: Warum auch im wassereichen Nordeuropa der Umgang mit Wasser so wichtig ist

Ohne Wasser kein Leben! Wer mehrere Tage nichts trinkt, der stirbt. Obwohl das Element Wasser eines der wichtigsten Lebensmittel ist, haben hunderte Millionen von Menschen zu wenig oder keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Wie kann das sein?

Ein Blick auf den Globus erweckt den Anschein, als hätten wir von der Ressource Wasser mehr als genug –  70% der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt. Allerdings ist davon nur 2,5% des weltweiten Wassers Süßwasser und 1% des Süßwassers für die Ökosysteme und den Menschen nutzbar. Steigende Bevölkerungszahlen, wirtschaftliche und technische Entwicklungen, Wohlstand und Konsumverhalten führen zu einem erhöhten Bedarf an Süßwasser. Der Klimawandel sowie die ungleiche Verteilung der Ressource verschärfen die Problematik.  Die Prognose lautet, dass bis zum Jahr 2030 47% der Weltbevölkerung in Regionen mit Wasserstress leben werden[1]. Es führt also kein Weg vorbei an einem nachhaltigen Umgang mit Wasser.

Die meisten assoziieren mit dem Begriff Wasserverbrauch das, was unter direktem Wasserverbrauch verstanden wird, also den Verbrauch im eigenen Haushalt: Baden, Duschen, Toilettenspülung, Waschen, Putzen, Essen, Trinken oder Geschirrspülen. Im Haushalt Wasser zu sparen ist für viele selbstverständlich. In Deutschland nutzt jede Person durchschnittlich etwa 123 Liter Trinkwasser pro Tag[2]. Im Vergleich: die Schweiz liegt bei rund 240 Litern pro Kopf und Tag, Dubai bei 500 Litern und Indien bei nur 25 Litern [3]. Die Tendenz des Pro-Kopf-Verbrauchs in Deutschland geht in eine gute Richtung. Insbesondere im Vergleich mit westlichen Ländern steht Deutschland gut da. Na dann ist doch alles bestens?!

Nein, weil unserem indirekten oder auch virtuellen Wasserbedarf, also jener, der für die Herstellung eines Produktes oder eine Dienstleistung verwendet wird, gerade im wasserreichen Deutschland eine noch bedeutendere Rolle zukommt. Täglich hat ein Durchschnittsdeutscher einen indirekten Wasserbedarf von ca. 3.800 Litern pro Tag[4]. In scheinbar harmlosen Produkten wie Kaffee, Reis, Baumwolle stecken schnell mal hunderte Liter unsichtbares Wasser. Das Problem dabei: Diese Produkte werden insbesondere in Entwicklungsländern angebaut und verbrauchen in der Herstellung Unmengen an Wasser. Da diese Länder sowieso meist mit Trockenheit zu kämpfen haben, bleibt nur wenig Wasser für die private Nutzung und die heimische Landwirtschaft. So erklärt sich auch der niedrige direkte Wasserverbrauch in Indien.

Aber was hat das mit Nordeuropa zu tun? Wir konsumieren diese Produkte in großen Mengen. Das heißt: Mit unserem Konsumverhalten können wir als Endverbraucher unseren Teil dazu beitragen, dass wasserarme Länder weniger Wasser exportieren müssen.

So kannst du indirektes Wasser sparen:

  1. Kaufe regionale und saisonale Lebensmittel. Diese verbrauchen kein Wasser aus Ländern, in denen es an Trinkwasser fehlt.
  2. Achte beim Kauf von Lebensmittel auf Produkte mit Bio-Siegel. Die Behandlung mit Pestiziden oder Dünger können dem Grundwasser schaden.
  3. Schränke deinen Fleischkonsum ein. In der Herstellung von Fleisch werden Unmengen an Wasser gebraucht. Das gilt insgesamt für den Konsum tierischer Produkte. Kaufe tierische Produkte bewusst. Weitere Infos zum Wasserverbrauch verschiedener Lebensmittel findest du hier.
  4. Verwende Gegenstände so lange wie möglich, das spart nicht nur Wasser und Energie in der Produktion, sondern vermeidet auch Müll.
  5. Benutze zum Duschen, Waschen und Putzen möglichst umweltfreundliche Mittel. Chemiekeulen schaden nicht nur der Gesundheit, sondern auch dem Grundwasser.
  6. Achte beim Kauf von Kleidung auf die Zusammensetzung. Naturfasern oder Bio-Baumwolle sorgen dafür, dass weniger Chemikalien zum Einsatz kommen.
  7. Entsorge Batterien und Medikamene nicht im Hausmüll, sondern im Fachhandel oder in der Apotheke. Auch hier liegt die Problemtik darin, dass Schadstoffe aus den Produkten auf der Mülldeponie austreten können und somit das Grundwasser belasten.

So einfach kannst du direktes Wasser sparen:

  1. Installiere und benutze Spartasten an Toiletten. Je nach dem, ob man die kleine oder große Taste bedient, spart man 3-6 Liter Wasser pro Spülung.
  2. Nehme lieber eine kurze Dusche als ein Vollbad. Ein Vollbad kostet ca. 160 Litern Wasser, eine 5-minütige Dusche nur ca. 75 Liter (je nach Duschkopf). Tipp: Am besten kaufst du dir einen Wasserspar-Duschkopf.
  3. Verwende Regenwasser als Gartenbewässerung oder als Toilettenspülung.
  4. Achte beim Kauf von elektronischen Geräten wie Wasch- und Spülmaschinen auf deren Wasser- und Energieverbrauch. Moderne und hochwertige Geräte sind wesentlich effizienter als ältere Modelle.
  5. Spülmaschinenbesitzer verzichten am besten auf das Abspülen und Vorspülen mit der Hand. Ist die Spülmaschine voll beladen, verbraucht sie weniger Wasser als das händische Abwaschen.
  6. Lasse die Waschmaschine immer vollbeladen laufen. Das schont nicht nur den Wasserverbrauch, sondern auch die Abnutzung.
  7. Versuche insgesamt den Warmwasserkonsum zu reduzieren. Dieser kostet zusätzlich viel Energie.

1 Bundesministerium für Bildung und Forschung. (2012). Förderschwerpunkt

„Nachhaltiges Wassermanagement“ (NaWaM) im Rahmenprogramm „Forschung für nachhaltige Entwicklungen“ (FONA). Zugriff unter https://www.fona.de/mediathek/pdf/BMBF-Nawam-DE_barrierefrei.pdf

2 Statista. (2018). Entwicklung des Wasserverbrauchs pro Kopf und Tag in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2017 (in Litern). Zugriff unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12353/umfrage/wasserverbrauch-pro-einwohner-und-tag-seit-1990/

3 Kalk Blog. (2016). Wasserverbrauch pro Kopf und Tag in Deutschland. Zugriff unter https://entkalkungsanlage-kaufen.net/wasserverbaruch-pro-kopf-und-tag-in-deutschland/

4 Umweltbundesamt. (2018). Wasserfußabdruck. Zugriff unter https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/wasser-bewirtschaften/wasserfussabdruck#textpart-1

Weiterführende Informationen zum Wasserverbrauch findest du unter:
https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52730/wasserverbrauch
http://virtuelles-wasser.de/wasserfussabdruck.html

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