Massentourismus im Winter: Wie sich der Winterurlaub nachhaltig gestalten lässt

Die Tage sind gezählt. Die Weihnachtsferien stehen vor der Tür. Große Freude über ein paar freie Tage, die viele für einen Tapetenwechsel nutzen – sei es um dem Winter zu entfliehen und in die Wärme zu reisen oder um genau das Gegenteilige zu genießen: klirrende Kälte und Schnee. Die zauberhafte Winterlandschaft in den Bergen beim Skifahren und Snowboarden zu erleben, für viele ein absolutes Highlight. Das Problem: In den Winterurlaub fahren ist alles andere als umweltfreundlich, sanft und nachhaltig. Was aber tun, wenn man auf das alljährliche Schneevergnügen nicht verzichten mag?

Der alpine Skilauf hat sich in vergangenen Jahrzehnten zu einer beliebten Sportart entwickelt. Nicht nur der Sport an sich, auch das drum herum begeistert die Leute – Schneepanorama, Hüttenfeeling, Après-Ski. Und so ist der Wintertourismus in viele Regionen und Ortschaften als wichtiger Wirtschaftsfaktor nicht mehr wegzudenken. Er schafft die Lebengrundlage vieler Einheimischen, liefert Infrastruktur und lädt zu interkulturellem Austausch ein.

Die Kehrseite der Medaille:  Um den Skitourismus zu ermöglichen, wird stark in das Landschaftsbild und das Ökosystem eingegriffen. Der Bau von neuen Parkplätzen, Skipisten, Loipen oder Hotel-komplexen benötigt Fläche, für welche oft der Lebensraum der Tier- und Pflanzenwelt weichen muss. Aber nicht nur das, Liftanlagen und Schneekanonen fressen Energie, die Anreise mit dem eigenen PKW führt zu überlasteten Straßen und schadet der Umwelt durch den hohen CO2-Ausstoß. Einheimische befürchten, dass ihre Kultur durch den Massentourismus in die Enge getrieben wird.

Ein Teufelskreis, denn die Maßnahmen, die den Massentourismus ermöglichen, zerstören gleichzeitig die Grundlagen des Tourismus: eine intakte Natur sowie kulturelle Traditionen.

Ein Dilemma ohne Ausweg? Nein. Wesentlich für die zukünftige Entwicklung ist, dass alle Beteiligten von Gastronomie über Tourismusverband bis hin zu Politik, Wirtschaft und Wintersportler sich der Problematik bewusst werden, sie annehmen und Verantwortung für Veränderung übernehmen. Gerade in Zeiten, in denen der Klimawandel nicht mehr zu leugnen ist. Wichtig dabei ist, dass nachhaltige und langfristige Lösungen gefunden werden. Aber was bedeutet nachhaltig eigentlich?

Mit nachhaltigem Tourismus verknüpfen viele in erster Linie die ökologische Dimension: Umwelt schützen, Ressourcen einsparen, alternative Energien nutzen. An sich erstmal nicht falsch. Unwissenheit herrscht aber darüber, dass diese ökologische Komponente nur eine von dreien ist. Kennzeichnend für den nachhaltigen Tourismus ist seine umfassende Ausrichtung betreffend sozialer, ökonomische und ökologischer Fragestellungen. Konkret heißt das, dass die eingangs beschriebenen Chancen und Risiken in allen drei Dimensionen gleichermaßen, ganzheitlich und verknüpfend behandelt werden sollen. So können die verschiedenen Anliegen der Interessensgruppen diskutiert, Konflikte vermieden und langfristige Lösungen gefunden werden.

Was bedeutet das für mich als Privatperson?
Auch der Wintersportler selbst steht beim Thema Nachhaltigkeit in der Verantwortung. Mit seinem Handeln und Konsumverhalten beeinflusst er die Nachfrage. Im Folgenden ein paar Tipps, wie du es schaffst, dein Schneevergnügen etwas nachhaltiger zu gestalten. Natürlich heißt das nicht, dass das alpine Schneeerlebnis damit zu einer umweltfreundlichen Sportart wird. Aber dennoch: es muss etwas getan werden, damit wir mit unserer Natur sorgfältiger umgehen.

Mache dir Gedanken über deine An- und Abreise sowie den Zeitraum deines Urlaubs!

  1. Nutze die Angebote der Bahn!
    Inflexibilität und das sperrige Gepäck sind meistens die Gegenargumente. Aber aufgepasst: es gibt immer mehr Angebote wie beispielsweise Gepäckservices, die dir dabei helfen die Anreise angenehmer zu gestalten.
  1. Gehe lieber eine Woche am Stück Ski fahren, als einzelne Tage!
    So sparst du dir nicht nur Geld, sondern verbrauchst auch keine unnötigen Spritressourcen.
  1. Steuere nah gelegene Skigebiete an, die eine kurze Anreise ermöglichen!
    Auch hier wird es dir die Umwelt und dein Geldbeutel danken.
  1. Fahre auch vor Ort mit öffentlichen Verkehrsmitteln!
    Das entspannt die Parkplatzsituation, vermeidet unnötige Klimabelastung und erfreut die Anwohner/innen.

Wähle deine Unterkunft bewusst aus!

  1. Stelle dir die Frage, wie viel Luxus du wirklich brauchst!
    Uneingeschränktes Konsumverhalten führt zu enormen Ressourcenverbrauch.
  1. Informiere dich, welche Konsum-Philosophie deine Unterkunft verfolgt!
    Stehen regionale und saisonale Speisen auf der Karte? Wird die Energie möglicherweise alternativ gewonnen? Sicher ist ein Biobauernhof oder eine Selbstversorgerunterkunft, bei der du deinen Konsum selbst steuern kannst, nachhaltiger als ein Luxushotel.

Auch diesbezüglich gibt es einige Webseiten, auf denen du gezielt nach alternativen Unterkünften suchen kannst. (Link: https://bookitgreen.com/de/)

Wähle dein Reiseziel bewusst aus!

  1. Überlege dir, wie viele Pistenkilometer du wirklich brauchst!
    Viele Skigebiete werben mit hohen Pistenkilometern. Damit einher geht oft der Neubau von Gondeln, die Sprengung von Felsen, Umleitung von Flüssen und die Abholzung von Wäldern. Das Präparieren mit Pistenraupen verdichtet den Boden. Neben der Veränderung des Landschaftsbildes und der Schädigung des Bodens hat dies auch zur Folge, dass die Erosionsgefahr sowie die Gefahr von Schlamm- und Gerölllawinen bei Starkregen und Schneeschmelze steigt. Kleine Skigebiete haben zwar nicht so eine große Auswahl an unterschiedlichen Pisten. Der Vorteil ist aber, dass teils weniger in die Umwelt eingegriffen und weniger Ressourcen verbraucht werden. Einige Skigebiete sind schon dabei Maßnahmen für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur zu realisieren beispielsweise mit einer Pistenpflege im Sommer (mähen und beweiden) oder einem alternativen Energiebetrieb der Skilifte.Ein Zusammenschluss von 28 Ferienorten in den Alpen zu den sogenannten Alpine Pearls (Link: https://www.alpine-pearls.com/) erleichtert es dir nachhaltige Skigebiete zu finden. Sie haben sich einen umweltfreundlichen Tourismus gemeinsam zum Ziel gemacht.
  1. Vermeide Skigebiete mit künstlicher Beschneiung bzw. reise in Zeiten, in denen Naturschnee liegt!
    Gäste zieht es gerade dann an, wenn in den Skiorten Schneesicherheit garantiert ist und die Pisten perfekt präpariert sind. Das Problem: Schneekanonen machen nicht nur viel Lärm, sie verbrauchen auch Energie und Wasser. Zudem ist Kunstschnee dichter als natürlicher Schnee, was dazu führt, dass der Boden weniger mit Sauerstoff versorgt wird. In Österreich werden geschätzte 70% der Pisten mit Kunstschnee bedeckt. Wie soll man da noch ein Gebiet ohne den künstlichen Ersatz finden? Ganz ehrlich – kaum möglich. Was du allerdings machen kannst, ist in Zeiten und Gebiete zu fahren, in denen höchstwahrscheinlich auch Naturschnee liegt.

Mache dir Gedanken zur Art und Weise, wie du deinen alpinen Sport ausüben möchtest!

  1. Respektiere die Natur!
    Fahre auf ausgeschilderten Pisten und beachte die Regeln von Naturschutzgebieten. Auf präparierten Abfahrten bist du nicht nur sicherer unterwegs, auch das Gleichgewicht von Flora und Fauna sowie die Tierwelt wird weniger gestört.
  1. Sei bei schlechter Wetterlage flexibel!
    Der Klimawandel sorgt dafür, dass viele Skigebiete mit Schneesicherheit zu kämpfen haben. Um dem Urlauber sein Skierlebnis dennoch zu ermöglichen, kommen immer mehr Schneekanonen zum Einsatz. Überlege dir daher, ob du auf einem weißen Band unbedingt Ski fahren musst. Natürlich hast du dich schon lange auf deinen Winterurlaub gefreut, aber vielleicht bereiten dir auch weniger invasive Sportarten Freude wie Rodeln, Langlaufen, (Winter-)wandern oder Eislaufen. Bei sehr schlechten Bedingungen, ist es auch gemütlich einfach in seiner Unterkunft zu bleiben und ein spannendes Buch zu lesen.

Lege dir deine Ausrüstung mit Bedacht zu!

  1. Achte beim Kauf neuer Ausrüstung auf nachhaltige Produktion und Materialien!
    Bewusst einkaufen ist auch bei der Anschaffung von neuer Bekleidung und Hardware-Equipment wichtig. Es gibt verschiedene Herstellerhinweise oder Siegel wie zum Beispiel das „Blue Design“ (Link: https://www.bluesign.com/de/#.XBitPVVKi70), die dir Orientierung bieten. Hier (Link: https://www.siegelklarheit.de/home#textilien) findest du eine Übersicht zu den unterschiedlichen Siegeln.
  1. Neu ist nicht immer besser!
    Wer im Winter nur wenige Tage in den Bergen verbringt, kann sich auch Ausrüstung leihen, mieten (Link: https://www.gearrilla.com/de/faq-vermieter) oder sie Second-Hand kaufen. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern die Ressourcen. 

    Eine Übersicht zu den verschiedenen Initiativen nachhaltiger Skigebiete und dem Gütesiegel CSR für nachhaltige Reiseveranstalter findest du hier:

Quellen und weitere Informationen:
[1] Bund Naturschutz. Die Alpen in Gefahr. Zugriff unter: https://www.bund-naturschutz.de/alpen/gefaehrdung.html
[2] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. (2017). Wintersport mit Folgen: das Ökosystem Alpen. Zugriff unter: https://www.umwelt-im-unterricht.de/hintergrund/wintersport-mit-folgen-das-oekosystem-alpen/
[3] WWF. Skifahren – Wintersport mit Folgen. Zugriff unter: https://www.wwf.de/aktiv-werden/tipps-fuer-den-alltag/umweltvertraeglich-reisen/skifahren-wintersport-mit-folgen/
[4] Jakob Schrenk. (2015). Die Zeit. Skifahren im grünen Bereich. Zugriff unter: https://www.zeit.de/reisen/2015-01/skifahren-oekologie-schneekanonen-tourismus

 

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