E-Mobility: Wer in Deutschland in der Verantwortung steht

Im letzten Beitrag auf dem Blog haben wir euch das Thema „E-Mobility“ bereits vorgestellt. Das Fazit damals: Im öffentlichen Nahverkehr läuft bereits einiges elektrisch. Bis die elektrische Fortbewegung auch im deutschen Straßenverkehr wirklich etabliert sein wird, steht jedoch noch ein langer Weg bevor. Aber warum eigentlich? Woran hapert es noch und wer ist eigentlich verantwortlich dafür, dass der Umstieg auf E-Mobility klappt?

Zunächst einmal: Viele der Argumente, die gegen die Anschaffung eines Elektroautos sprechen, sind mittlerweile entkräftet worden: Die vermeintlich zu geringe Reichweite beträgt mittlerweile bei den meisten Modellen 400 km bis hin zu 600 km – völlig ausreichend für den alltäglichen Berufsweg. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die meisten von uns nicht mehr als 40 km pro Tag mit dem Auto unterwegs sind.1 Ein Blick auf die Zahlen im vergangenen Blogbeitrag hat allerdings gezeigt: Elektroautos und auch Hybridautos sind gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren deutlich in der Unterzahl, sehr deutlich sogar.2 Aber warum ist das so, und was muss getan werden, damit sich etwas ändert? Die Gründe sind auf jeden Fall vielfältig. Wenn es mit dem Umstieg auf elektrische Fortbewegung klappen soll, stehen vor allem folgende drei Gruppen in  der Verantwortung:

1. Die Politik – Gefordert sind konkrete Ziele und Anreize statt leeren Phrasen!

Zum einen liegt die Verantwortung natürlich in der Politik. Ehrgeizige Ziele wie in Schweden oder Norwegen, die beispielsweise ab 2025 keine Autos mit Verbrennungsmotoren neu zulassen werden, sind derzeit noch nicht verabschiedet. Die „politische Richtgröße“ von 1.000.000 Elektroautos bis 2020 klingt mehr nach leerer Phrase statt nach konsequentem Plan – und es scheint sehr fraglich, ob sie überhaupt eingehalten werden kann. Aufgabe der Politik muss es sein ehrgeizige, konkrete Ziele zu definieren, und dann Anreize zu schaffen, die das Erreichen dieser Ziele auch möglich machen.

In gewisser Form geschieht das bereits: So gibt es eine Kaufprämie von bis zu 4.000 Euro beim Kauf eines E-Autos, ebenso soll die Ladeinfrastruktur verbessert werden. Auch werden Käufern von Elektroautos steuerliche Vorteile geboten, in manchen Städten existieren zudem Parkflächen, die allein Elektroautos vorenthalten sind – Ladestation inklusive.3  Das Problem: Die bereits aufgeführten Zulassungszahlen belegen, dass diese Anreize scheinbar noch nicht ausreichen. Soll sich die Art Mobilität grundlegend ändern, ist wohl ein weiterer Impuls notwendig – zum Beispiel durch weitere Anreize für die Käufer. Denkbar sind aber auch Förderungen für die Hersteller von Elektroautos, sodass innovative, bessere und auch preiswertere Elektroautos auf den Markt gebracht werden können.

2. Die Autoindustrie: Alles auf Profit statt Innovation in Zukunft und Umwelt?

Auch die Autoindustrie trägt selbstverständlich eine große Verantwortung. Einige Hersteller werden bereits immer kreativer, wenn es um völlig neue elektrische Antriebsmöglichleiten geht: Das Münchner StartUp „SonoMotors“ plant bereits im Jahr 2019 einen Prototyp auf den Markt zu bringen, der nicht nur mit einem Akku angetrieben wird. In der Karosserie verbaute Solarzellen sollen zusätzlich Strom für ca. 30 extra Kilometer liefern – völlig gratis und komplett umweltschonend aus Sonnenergie.4 Inwieweit sich solche Ideen in der Zukunft als wirklich alltagstauglich erweisen werden, wird sich zeigen. In jedem Fall liefern sie aber einen wichtigen Impuls: Kreative Ideen bei der Entwicklung von  Elektroautos sind gefragt!

Es ist bemerkenswert, dass eine derartige Idee von einem kleinen StartUp stammt, und nicht etwa aus dem Hause einer der Marktführer der Automobilbranche. Hier zeigt sich eines der Probleme, das eine schnelle Etablierung elektrischer PKWs in Deutschland verhindert: Da nicht längst alle großen Autobauer innovative, elektrisch betriebene Fahrzeuge für die breite Masse zu Gunsten der Benziner oder Dieselfahrzeuge einführen liegt, vor allem am Willen, und weniger am Können der Autoindustrie. Derzeit läuft das Geschäft mit Verbrennungsmotoren einfach noch zu gut. Wie gesagt: Es spricht Bände, dass wirklich kreative Ideen von Münchner StartUps statt vom Münchner Branchenprimus BMW kommen. Es ist nicht besonders wahrscheinlich, dass sich die deutschen Autohersteller entgegen finanzieller Interessen vom Geschäft mit Verbrennungsmotoren abwenden. Dass sie sich jedoch ihrer Verantwortung für die Umwelt bewusst werden, und mehr und mehr versuchen Innovationen im Bereich der elektrischen Fortbewegung zu realisieren, das ist auf jeden Fall wünschenswert.

3. Der Verbraucher: Die Nachfrage regelt das Angebot!

Zuletzt sind aber natürlich in erster Linie die Verbraucher, und damit wir alle, in der Verantwortung. Als Käufer haben wir auf dem Automobilmarkt das größte Druckmittel in der Hand: Durch unser kollektives Kaufverhalten können wir den Markt maßgeblich beeinflussen. Bricht der Absatz von PKWs mit Verbrennungsmotoren zu Gunsten von Elektroautos ein, so ist die Automobilindustrie immer mehr dazu gezwungen, neue Modelle auf den Markt zu bringen und sich mehr und mehr mit Innovationen im Bereich E-Mobility zu beschäftigen. Das die elektrische Fortbewegung im deutschen Straßenverkehr noch nicht angekommen ist, liegt also zu einem großen Teil auch an der Mentalität der Bevölkerung. Wo das aus umweltschonenden Gründen sinnvolle Tempolimit auf Autobahnen mit dem Argument „Fahrspaß“ kleingeredet wird, ist es wohl noch ein weiter Weg bis zu einem Straßenverkehr, der vollständig elektrisch und klimaschonend abläuft. Es ist also überall ein Umdenken nötig – ansonsten wird Deutschland nicht nur in technologischer Hinsicht von andern, innovativeren, Ländern überholt, sondern wird auch seinem eigenen Anspruch nicht gerecht, bei der Einhaltung von Klimazielen und der Verhinderung (bzw. Verlangsamung) des Klimawandels eine führende Rolle einzunehmen.

Quellen und weitere Infos:                                                                                   

[1] https://www.smarter-fahren.de/mythen-elektroautos/

[2] https://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/Umwelt/2018_b_umwelt_dusl.html?nn=663524

[3] https://www.autozeitung.de/elektroauto-kaufen-191309.html

[4] http://www.spiegel.de/auto/aktuell/sion-von-sono-motors-preiswertes-elektroauto-mit-solartechnik-a-1153482.html

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