E-Mobility: Verschläft Deutschland den Trend der elektrischen Fortbewegung?

Elektromobilität ist weltweit der Schlüssel zu klimafreundlicher Mobilität“, erkennt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf seiner Website an.1 Tatsächlich scheint das Thema „E-Mobility“ immer mehr an Bedeutung zu gewinnen: Der Klimawandel lässt sich nicht leugnen, also scheint es unumgänglich, dass alternative Fahrzeugantriebe immer mehr in den Fokus rücken. Doch noch sind Elektroautos im öffentlichen Straßenverkehr Deutschlands deutlich in der Unterzahl. Verschlafen wir also gerade den wichtigen Wandel zu einer umweltfreundlicheren, elektrischen Fortbewegung?

„E-Mobility“ – Ist das wirklich erstrebenswert?

Die wichtigste Frage direkt vorweg: Sind Elektroautos wirklich so viel umweltfreundlicher als Benzin- oder Dieselautos? Auf den ersten Blick sicherlich schon – wo der Verbrennungsmotor durch seinen Auspuff Abgase in die Umwelt pustet, surrt das Elektroauto emissionsfrei über die Straßen. Doch auch ein zweiter Blick ist notwendig: Mit dem Thema E-Mobility unweigerlich verbunden ist die Frage, woher eigentlich der benötige Strom kommt. Wenn die Umweltbelastung bei der Energiegewinnung aus Kohle- oder Kernkraftwerken zu hoch ist, gerät der Mythos des „sauberen Elektroautos“ schließlich schnell ins Wanken.

Woher kommt der Strom?

Woher kommt er also, der Strom, der für die elektrische Fortbewegung so dringend benötigt wird? Hierfür zunächst ein Blick auf die Öffentlichen Verkehrsmittel: Die Deutsche Bahn verspricht, dass jeder Reisende mit 100% Ökostrom unterwegs sei. Das klingt natürlich super – ist allerdings klassisches „Greenwashing“. Die Aussage gilt nämlich nur für den Fernverkehr, nicht aber für den Nahverkehr oder den Güterverkehr. Dort stammt der Strom größtenteils weiterhin aus Kohle- oder Atomkraftwerken. Insgesamt ist der Strom-Mix der Bahn daher auch nicht groß anders als der eines normalen Haushalts. Während im benachbarten Österreich schon jetzt bereits fast 93% des Bahnstroms aus Wasser- oder Windenergie stammen, hinkt die Deutsche Bahn hier also noch massiv hinterher, wie auch die folgenden Fakten belegen:

  • Erst bis zum Jahr 2050 ist ein Umstieg auf 100% Ökostrom2
  • Im vergangenen Jahr stammten jedoch lediglich 57% des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien.3

Auch für Elektroautos gilt selbstverständlich, dass ihr Beitrag zu einer saubereren Fortbewegung dann am höchsten ist, wenn er auch der Strom mit dem sie angetrieben werden aus erneuerbaren Energien stammt. Hier sind daher die Stromanbieter im Allgemeinen gefordert: Der Verbraucher, der sein Elektroauto „tanken“ möchte, hat schließlich nicht immer einen Einfluss auf die Herkunft des Stroms an öffentlichen Ladestationen für E-Autos.

Die gute Nachricht ist jedoch: Studien widerlegen das Argument, Elektroautos hätten eine schlechtere Ökobilanz als Autos mit Verbrennungsmotoren, da der Strom für die Akkus vor allem aus nicht-regenerativen Quellen stamme. Im Gegenteil: Ein Elektroauto produziert über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg weniger Treibhausgase als beispielsweise ein Dieselfahrzeug.4 Generell ist E-Mobility, also der Fortbewegung mit fossilen Brennstoffen, vorzuziehen. Der entstehende Mehrwert ist jedoch umso größer, wenn Stromanbieter und Energiekonzerne bei der Stromgewinnung mehr und mehr auf erneuerbare Energien setzen.

Ein Blick in andere Länder:

Wenn E-Mobility also wirklich nachhaltiger ist als die Fortbewegung auf Basis von fossilen Brennstoffen, stellt sich natürlich die Frage: Wie weit sind wir diesbezüglich schon? Zunächst einmal lohnt sich der Blick in andere europäische Länder:

  • Schweden hat sich beispielsweise jüngst dazu entschlossen, ab 2030 keine PKWs mit Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen. Sämtliche Neuanmeldungen ab diesem Zeitpunkt müssen also mit einem Elektromotor ausgestattet sein. Die älteren Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor würden nach und nach „aussterben“.
  • Frankreich und Großbritannien planen dies immerhin ab 2040
  • Norwegen hat noch ehrgeizigere Ziele: Hier sollen bereits ab 2025 nur noch reine Elektroautos verkauft werden dürfen.5

Das Bewusstsein, dass sich etwas ändern muss, scheint also in Europa angekommen zu sein. Doch welche Ziele hat Deutschland, das als führende europäische Industrienation im besten Fall sogar eine Vorreiterrolle einnehmen sollte?

E-Mobility in Deutschland

Schon im vorletzten Post auf unserem Blog haben wir euch geraten, beim Winterurlaub, aber auch generell, auf die Bahn und Öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen. Auch wenn in der Art der Energiegewinnung wie angesprochen noch Nachholbedarf besteht: Will man aktuell in Deutschland möglichst nachhaltig von A nach B kommen, so ist das derzeit oft die beste Möglichkeit. Sowohl die Züge der deutschen Bahn, wie auch die S-, U-, und Straßenbahnen werden elektrisch betrieben. Sogar im Busverkehr tut sich in dieser Hinsicht etwas: So fahren beispielsweise in München seit 2017 einige Busse auf der Linie 100 als reine Elektronbusse, weitere sind geplant.6

Da der deutsche Nahverkehr also bereits hauptsächlich elektrisch läuft, sind Innovationen vor allem im Straßenverkehr gefragt – und hier scheint der Nachholbedarf noch deutlich größer. Ehrgeizige Ziele wie in Norwegen oder in Schweden sucht man in Deutschland derzeit (noch) vergebens. Das Wirtschaftsministerium der Bundesregierung spricht lediglich davon, bis 2020 wolle man einen Bestand an Elektroautos in Höhe von einer Million erreichen – Konkret wird dies jedoch nicht als dringend einzuhaltendes Ziel bezeichnet, sondern lediglich als „politische Richtgröße“.7

Der Weg ist noch weit…

Ob es realistisch ist, diese „politische Richtgröße“ einzuhalten, das ist fraglich – vor allem bei einem Blick auf die folgenden Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes: Lediglich 53.861 Elektroautos waren in Deutschland am 1. Januar 2018 zugelassen. Das bedeutet zwar einen Zuwachs von 53,8% im Gegensatz zum Vorjahr. Das Ziel von einer Million Zulassungen bis 2020 scheint jedoch in weiter Ferne. Gegenüber den 30.451.268 Benzinern und 15.225.296 Dieselautos wirkt diese Zahl beinahe verschwindend gering. Auch Fahrzeuge mit Hybridmotoren, die immerhin auf einen Elektromotor zur Unterstützung zurückgreifen, liegen weit abgeschlagen zurück. (236.710 Zulassungen).8 Klar ist also: Der Weg zu wirklich messbaren Erfolgen beim Umstieg zu elektrischer Fortbewegung ist gerade im Straßenverkehr sicherlich noch weit.

Was aber muss nun passieren, dass wir in Deutschland den Umstieg auch im Straßenverkehr packen? Bei wem liegt die Verantwortung dafür? Das klären wir im nächsten Beitrag auf dem Blog.

Quellen und weitere Infos:

[1] https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/elektromobilitaet.html

[2] https://www.dw.com/de/wie-gr%C3%BCn-ist-die-deutsche-bahn-wirklich/a-41894678

[3] https://www.deutschebahn.com/de/nachhaltigkeit/umweltvorreiter/datenfakten/klimaschutz-1183660

[4] https://www.smarter-fahren.de/mythen-elektroautos/

[5] https://www.energiezukunft.eu/mobilitaet/schweden-verbannt-verbrenner-ab-2030/

[6] https://www.hallo-muenchen.de/muenchen/mitte/muenchen-ort29098/testet-neues-e-fahrzeug-linie-9405222.html

[7] https://www.heise.de/newsticker/meldung/Millionenmarke-Bundesregierung-haelt-an-Elektroauto-Ziel-fest-4025077.html

[8] https://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/Umwelt/2018_b_umwelt_dusl.html?nn=663524

 

 

 

 

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