Gegen-Gift – Glyphosat vor dem Aus?

Jeder Hobbygärtner kennt den Ärger: Düngt man seine Pflanzen, gedeiht das Unkraut ebenfalls ganz prächtig. Und auch sonst sorgt das unerwünschte Grün für allerlei Unmut, da es die Ernte schmälert. Unkrautvernichter schaffen diesem Abhilfe und steigern den Ertrag. Der weltweit in der Landwirtschaft am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichter Glyphosat steht am 1. Juli, nach dem vierten Verlängerungsanlauf vor einem möglichen Zulassungsaus. Aus gutem Grund – in den letzten Jahren häufen sich die Vermutungen, dass das Mittel nicht nur Vorteile mit sich bringt. Obwohl eine Mehrheit der EU Mitgliedsstaaten sich klar gegen eine Verlängerung der Chemikalie geäußert hat, versucht die EU Kommission dennoch erneut eine Erlaubnis für Glyphosat durchzusetzen.

Doch erst einmal zu der Frage:

Wie wirkt Glyphosat?

Als Pflanzengift hemmt Glyphosat die Produktion wichtiger Aminosäuren, die für das Wachstum der Pflanze zuständig sind. Da Menschen und Tiere über einen anderen Stoffwechselvorgang verfügen, galt das Mittel lange Zeit als gesundheitlich unbedenklich. Da es sich fest an Bodenpartikel bindet, wird es anschließend auch nicht mehr über die Wurzeln der Pflanzen aufgenommen – dachte man bis vor kurzem. Eine aktuelle Studie hat jedoch ergeben, dass eine erhöhte Menge an Glyphosat im Brandenburger Grundwasser gemessen wurde. Ebenfalls ließen sich Rückstände in Bier und menschlichem Urin nachweisen, was ein Hinweis darauf ist, dass das Gift auch in unsere Nahrungskette gelangt.

Glyphosat

Wundermittel oder Risiko?

Die Meinung zu Glyphosat ist weltweit gespalten. Wirtschaftlich gesehen bietet es viele Vorteile. Da die Felder nicht mehr umgepflügt werden müssen, um Unkraut zu entfernen, sparen Landwirte nicht nur Zeit, sondern auch Kosten. Durch einen Wegfall des Umpflügens wirkt es zudem der Bodenerosion entgegen. Aus diesen Gründen werden in Deutschland knapp 40 Prozent der Anbauflächen mit Glyphosat behandelt. Dem gegenüber stehen Studien der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), die Glyphosat im März 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ einstuften. Sein Einsatz gefährdet außerdem die Artenvielfalt. Durch Vernichten der Ackerkräuter werden auch die Lebensräume vieler Feldvögel, die sich von den darauf lebenden Insekten ernähren, bedroht. Darf ein so gefährlicher Stoff wirklich weiter bedenkenlos auf die Felder gesprüht werden? Das Ergebnis der EU Kommission über die weitere Zulassung bleibt abzuwarten.

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